Aus
Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón"Wenn wir schon bei Femme fatale sind, erzählen Sie mir von der Bernada. Ist geküsst worden oder nicht?"
"Beleidigen Sie mich nicht, Daniel. Ich darf Sie daran erinnern, dass Sie mit einem Verführungsprofi sprechen, und das mit dem Küssen ist eine Sache von Amateuren und Pantoffeldilettanten. Die wirkliche Frau erobert man peu à peu. Das ist eine Frage der Psychologie, genau wie bei einem guten Stierkämpfer in der Arena."
"Sie hat ihnen also einen Korb gegeben."
"Fermin Romero de Torres gibt nicht einmal der heilige Rochus einen Korb. Aber, um auf Freud zurückzukommen und wenn die Metapher erlaubt ist, der Mann erhitzt sich wie eine Glühbirne: im Handumdrehen rotglühend und dann ebenso schnell wieder kalt. Bei der Frau dagegen, und das ist reine Wissenschaft, ist es wie beim Bügeleisen, verstehen Sie? Ganz sachte, bei schwachem Feuer, wie eine gute Suppe. Aber wenn sie dann einmal erhitzt ist, dann lodert sie. Wie die Hochöfen in Vizcaya."
"Das machen sie also mit der Bernada? Das Bügeleisen aufs Feuer stellen?"
"Diese Frau ist ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch, mit einer Libido wie feuriges Magma und dem Herzen einer Heiligen. Aber da ich im Grunde ein Kavalier der alten Schule bin, nutze ich das nicht aus, und so habe ich mich mit einem züchtigen Küsschen auf die Wange begnügt. Ich habs ja nicht eilig, wissen Sie. Gut Ding will Weile haben. Es gibt so Lümmel, die meinen, wenn sie einer Frau die Hand auf den Hintern legen und sie protestiert nicht, dann haben sie sie schon in der Tasche. Anfänger.
Das Herz des Weibes ist ein ausgeklügeltes Labyrinth, welches den engstirnigen Geist des Mannes herausfordert. Wenn sie eine Frau wirklich besitzen wollen, müssen Sie denken wie sie und als erstes ihre Seele erobern. Der Rest, die süße, weiche Verpackung, die einem Sinn und Tugend verdirbt, kommt dann als Zusagabe."
"Fermin, sie sind ein Dichter!"
"Nein, ich halte es mit Ortega und bin Pragmatiker, denn die Dichtung lügt, wenn auch im schönen Sinn, aber was ich sage, ist wahrer als ein Butterbrot. Schon der Meister hat gesagt, zeigen Sie mir einen Don Juan, und ich zeige Ihnen einen verkappten Schwulen. Meine Sache ist Dauerhaftigkeit, das Immerwährende. Sie sollen meine Zeugen sein, dass ich die Bernada wenn nicht zur ehrbaren, das ist sie schon, so doch zumindest zur glücklichen Frau machen werde."
Ich nickte lächelnd. Seine Begeisterung war ansteckend und seine Rhetorik unschlagbar